Letztes Wochenende (3. und 4. Juli 2010) fand wieder das Hexentreyben, der jährliche Mittelaltermarkt in Rechberg statt.

Hexentreyben 2010 in Rechberg.
Wir kamen schon am Freitag Abend an und ich war schon einmal von der Größe des Marktes überrascht. Und da wußte ich noch nicht, daß da auf der anderen Seite des Gutshofs noch eine weitere Wiese voller Zelte war. Fast alle Stände versuchten einen zeitlich passenden Eindruck zu machen und trotz der zahlreichen noch auszuladenden Benzinkutschen machte das allgemeine Durcheinander des Aufbaus einen vielversprechenden Eindruck.
Da die germanischen Glasmacher aus Elsarn im Mittelalter nichts mehr zu suchen haben, waren wir diesmal bei der Roteler Gefolgschaft untergeschlüpft. Die Gruppe hatte mehrere historische Zelte am Gelände stehen und wir wurden herzlich eingeladen doch gleich dort zu pennen. Dankbar darüber, daß ich mein unauthentisches Zelt gar nicht erst aufstellen mußte nahmen wir an.
Wie jedesmal kam natürlich gleich das Thema Gewandung zur Sprache und Evi wurde auch gleich mit passenden Leihgaben versorgt. Da ich während einer solchen Veranstaltung sowieso die meißte Zeit mit der Kamera im Gesicht herumrenne, spielt die Gewandung bei mir zum Glück nur eine untergeordnete Rolle. Außerdem wird es von vielen als recht praktisch empfunden, daß es da jemanden gibt der weiß wie spät es ist, der telefonisch erreichbar ist und sich jederzeit in’s Auto setzen und einkaufen fahren kann. Letzteres würde ich zwar auch in Gewandung tun, aber wo steckt man Autoschlüssel und Papiere hin?
Durch die Aufregung die in uns allen steckte wurde es wie immer am ersten Abend relativ spät, aber mit der Morgendämmerung hatten dann doch alle ihre Schlafstätten gefunden.
3 Stunden später ging es schon wieder los. Einige Teilnehmer hatten sich entschlossen erst Samstag früh anzureisen und hatten natürlich kein Verständtnis dafür, daß da vielleicht jemand versuchte einen gewißen Kater in Morpheus Armen zurückzulassen. Außerdem wurde es warm — richtig warm! Gegen 8:00 wurden deshalb auch die letzten Schläfer samt ihrer persönlichen Schweißpfützen von ihren Zelten ausgespuckt.
Da ich vorhatte diesmal schon direkt von der Veranstaltung aus die ersten Bilder zu veröffentlichen, machte ich mich auf die Suche nach einer Steckdose. Ich wurde auch fündig, nur stellte sich das Unterfangen als sinnlos heraus, da ich über A1 keine Internetverbindung zustande brachte. Trotzdem vielen Dank an alle die mich bei dem Versuch unterstützt haben.
Gegen 10:00 tröpfelten dann die ersten Besucher auf das Gelände und alle Darsteller schlüpften in ihre Rollen. Die Temperatur nahm tüchtig Anlauf um die 30°C Marke zu überwinden und der kühle Mischwald hinter unserem Lagerplatz entwickelte sich zu einem mehr als beliebten Zufluchtsort. Wie jedes Ding hatte auch die Lage unseres Standplatzes zwei Seiten. Durch die örtlichen Gegebenheiten waren wir — ich benutze das wir jetzt nur der Einfachheit halber, da wir genaugenommen ja auch nur zu Gast waren — ein wenig weg vom Schuß. Dadurch kamen relativ wenige Besucher an unseren Zelten vorbei. Handarbeiten kann ja durchaus Spaß machen, aber wenn einem die Sonne derartig erbarmungslos auf den Rücken knallt, dann kann einem das bloße herumliegen schon fertig machen.
Erst am späten Nachmittag entdeckte ich die zweite Wiese auf der die meisten Darsteller untergebracht waren. Irgendwie war ich den ganzen Tag über nicht auf die Idee gekommen nachzusehen ob sich da hinter dem Wirtschaftsgebäude mit Bühne und Schenke vielleicht noch mehr befinden könnte. Der Grund waren die Schaukämpfe der verschiedenen Darstellergruppen. Die gingen da — zwar mit stumpfen Waffen und nach strengen Regeln — in voller Rüstung richtig aufeinander los. Durchaus beindruckend. Ich könnte in so einer Rüstung bei 28°C wahrscheinlich nur umfallen. Unsere — hier gilt das gleiche wie für das wir — Kämpfer hilten sich wacker und schlugen sich gut.
Am Abend wurden dann die restlichen Semmelknödel von der freitäglichen Schwammersoße zu Knödel mit Ei verarbeitet und nachdem die meißten Besucher das Gelände verlassen hatten brach das allgemeine Besuchsfieber aus. Wir verbrachten den späteren Abend bei Vanessa und Sören von Clerkenwell 1160. Die Nacht war warm und das Wetterleuchten am Horizont fand es dort auch viel schöner. Trotzdem hatte fast jeder bereits in der ersten Nacht ein gewisses Schlafmanko aufgebaut, sodaß es nicht allzu spät wurde.
Ursprünglich hatte ich ja vor mich in der zweiten Nacht im Wald auf einen der riesigen Findlinge zu legen, aber wegen des Wetterleuchtens schlief ich doch wieder in einem der Zelte. Wieder zu wenig, aber diesmal doch etwas länger, also 4½ statt nur 3¼ Stunden. Außerdem lag ich diesmal nicht ganz so schief. Und das ist eines der echten Probleme dieser an sich wunderschönen Gegend. Das Mühlviertel ist fast überall schief, und zwar ziemlich schief.
Es gab zwar einen Ausrufer mit einem durchaus beeindruckenen Organ, aber aus 200m Entfernung hörte man trotzdem nur, daß sich der gute Mann wieder einmal die Seele aus dem Leib schrie. Deshalb fehlte mir ein wenig der Plan und ich bekam von den meißten Dingen bei denen unsere Gruppe nicht mitmachte, gar nichts mit. Am Nachmittag, gerade als die Müdigkeit am besten Wege war mich einzuholen, bat mich der Organisator den letzten Umzug sowie die Übergabe der Tanzlinde an die Gemeinde Rechberg in Person des Bürgermeisters zu photographieren.
Natürlich sagte ich zu, nur bin ich mit den Bildern nicht ganz zufrieden. Irgendwie habe ich keine guten Postitionen gefunden.
Zum Glück blieb das angekündigte Unwetter aus und wir konnten unser Lager noch bei trockenem Wetter abbrechen.
Links:
Photographiert habe ich auf der Veranstaltung mit dem Canon 24-105L IS, dem Canon 75-300 IS und einige Aufnahmen mit dem Sigma 170-500. Alle an der Canon 5DII.
Ein guter Rat an alle die auch einmal bei einer Veranstaltung mit Schaukämpfen photographieren:
Photographiert zwischen den einzelnen Paarungen zumindest einmal den Boden oder den Himmel oder irgendwas anderes das es Euch erleichtert die Wechsel der Kontrahenten in der Übersicht zu erkennen.